Der Tschechische Naturschutzbund begann in diesem Jahr die Arbeit am Projekt „Obstlandschaften für Klimaschutz und Biodiversität“ (OKliBio). Das Projekt zielt darauf ab, alte Obstsorten zu erhalten, den Zustand der Alleen und Streuobstwiesen zu verbessern und somit die Biodiversität der Agrarlandschaft zu stärken. Das Projekt orientiert sich auf grenzüberschreitende Kooperation und soll durch den Erfahrungsaustausch und Bildungsangebote die Pflege von Streuobstbeständen verbessern, die Möglichkeiten der Nutzung von Produkten aus Obst aufzeigen und die Nachhaltigkeit der Obstbaumpflanzungen sicherzustellen. Das Projekt knüpft an das Fachprogramm des Naturschutzbundes „Alte Sorten wiederbeleben“ an. Die Projektpartner sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden, die J.-E.-Purkyně-Universität Ústí nad Labem und der Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz – Osterzgebirge mit dem Sitz in Ulberndorf. In der Tschechischen Republik wird das Projekt auf dem Gebiet der Bezirke Karlovy Vary, Ústí und Liberec durchgeführt. Im Freistaat Sachsen beteiligt sich an dem Projekt der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Mehr über das Projekt findet man auf der Webseite stareodrudy.cz.
Es hat sich gezeigt, dass es Unterschiede in der Herangehensweise zum Schutz der Streuobstwiesenbiotope in der Tschechischen Republik und Sachsen gibt.
Der im Deutschen gängige Fachbegriff Streuobstwiese hat im Tschechischen kein genaues Äquivalent. Für ähnliche Biotope werden nicht ganz zutreffend Begriffe wie Extensivobstgarten, Hochstammobstgarten, landschaftsgestaltender Obstgarten, funktionale Pflanzung von Obstgehölzen oder begrünte Pflanzungen hochstämmiger Obstbäume verwendet. Obwohl er in unserem Umfeld weniger gebräuchlich ist, stellt die Bezeichnung Obstwiese den treffenderen und angemesseneren Begriff dar.
Streuobstwiesen sind traditionelle Kulturlandschaftsbiotope, die in Stammform erzogene Obstbäume (Halbstamm, Hochstamm) mit einem Gras-Kraut-Unterwuchs kombinieren. Es handelt sich häufig um sehr wertvolle Biotope mit großer Bedeutung für die Biodiversität (Bäume, Pflanzen der Krautschicht, Pilze, Wirbellose, Vögel, Kleinsäuger) sowie für den Erhalt alter und regionaler Obstsorten. Die Nutzung der Krautschicht erfolgt durch Beweidung, Mahd oder eine Kombination aus beidem.
Im Gegensatz zur Tschechischen Republik sind Streuobstwiesen in Sachsen als gesetzlich geschützte Biotope ausgewiesen, und zwar sowohl nach dem Sächsischen Naturschutzgesetz (SächsNatSchG) als auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).
(Hinweis: Die konkreten Schutzbestimmungen werden von den einzelnen Bundesländern festgelegt.)
Voraussetzung für die Ausweisung als geschütztes Biotop ist, dass mindestens zehn Obstbäume vorhanden sind und die Fläche mindestens 1.000 m² umfasst, wobei nicht zwingend einzelne Grundstücke geschützt sein müssen, sondern auch zusammenhängende Baumbestände über Grundstücksgrenzen hinweg.
Für Sachsen wird das Vorkommen von etwa 13.000 Streuobstwiesen mit einer Gesamtfläche von rund 5.900 Hektar geschätzt. Sie werden als gefährdeter bis stark gefährdeter Biotoptyp eingestuft.
Obwohl Streuobstwiesen in ganz Deutschland in unterschiedlichem Maße gesetzlich geschützt sind, ist dieser Schutz bislang nicht ausreichend. Auch diese Biotope stehen unter dem Druck einer schrittweisen Nutzungsänderung. Experten weisen darauf hin, dass der Biotopschutz nur dann wirksam sein kann, wenn er kontrolliert und durchgesetzt wird.
In der Öffentlichkeit werden Streuobstwiesen jedoch positiv wahrgenommen, und Maßnahmen zu ihrem Schutz stoßen auf großes Interesse. Neben ihren ästhetischen und nutzungsbezogenen Werten erfüllen diese Obstwiesen auch eine wichtige landschaftsgestaltende Funktion. Aufgrund des besonderen Klimas, das in Streuobstwiesen herrscht, haben diese Standorte einen positiven Einfluss auf das Klima der Umgebung. Von Bedeutung ist auch ihre erosionsmindernde Funktion in der Landschaft.
Zu den häufigsten Ursachen der Gefährdung von Streuobstwiesen zählen:
Flächenverlust – Anforderungen an Nutzungsänderungen und die Beseitigung von Biotopen,
Vernachlässigung – einige Obstwiesen werden nicht regelmäßig gepflegt, die Bäume werden nicht fachgerecht behandelt, die Pflanzungen werden nicht erneuert, was zur Degradierung des Biotops führt,
Verschwinden alter Sorten – viele Sorten werden nicht mehr genutzt, es gibt keine Nachfrage oder es fehlt das traditionelle Wissen über die Verarbeitung ihrer Früchte,
Wirtschaftliche Unattraktivität – die Ernte von hochstämmigen Bäumen ist aufwendig, die Früchte alter Bäume erfüllen häufig nicht die Anforderungen des Handels, was die Motivation zu ihrer Erhaltung mindert.
Die Regierung des Freistaates Sachsen unterstützt daher Forschungsprojekte zur Erarbeitung von Strategien für eine bessere Nutzung, Pflege, Erneuerung und den Schutz dieser Streuobstwiesen.
Darüber hinaus fördert sie Maßnahmen zur Erhaltung, Pflege und Erneuerung von Streuobstwiesen. So wurde beispielsweise das Programm „Natürliches Erbe“ dahingehend angepasst, dass es sowohl die Pflege junger Bäume als auch die Sanierung älterer Bäume umfasst.
Ebenso gibt es Projekte, die die Anpflanzung von neuen Streuobstwiesen sowie die Nutzung von Produkten (Obst, Säfte, Cider u. Ä.) aus diesen Beständen unterstützen, wodurch der wirtschaftliche Wert dieses Landschaftstyps gesteigert wird. Obst aus Streuobstwiesen entwickelt sich dabei zu einer inoffiziellen Handelsmarke für Produkte aus ökologischer Erzeugung.
Obstgärten gehören in ihren unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen zu den charakteristischen Elementen der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. In Bezug auf die Artenvielfalt zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Bei sachgerechter Pflege kommen dort Dutzende bis Hunderte von Pflanzen-, Insekten-, Vogel- und Pilzarten vor.
Alte Obstsorten, die im mitteleuropäischen Raum teilweise seit Jahrhunderten angebaut werden, bieten genetisches und ertragsreiches Potenzial auch für die Zukunft. In ganz Mitteleuropa werden schätzungsweise rund 3.000 Obstsorten angebaut. Von wirtschaftlicher Bedeutung und für die intensive Produktion genutzt werden etwa 30 Sorten. Die übrigen Sorten finden weiterhin Verwendung in Streuobstwiesen, wo ihre spezifischen Eigenschaften (Krankheitsresistenz, Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel) beobachtet werden können und wo sie zur Bereicherung des Genpools zukünftiger Obstsorten beitragen.
In entwaldeten, intensiv genutzten Agrarlandschaften stellen Streuobstwiesen häufig die letzten verbliebenen naturnahen Biotope dar. In vielen Regionen waren Streuobstwiesen mit frei wachsenden Obstbäumen ein charakteristisches Landschaftselement und zugleich ein Ort der Traditionsbewahrung. Streuobstwiesen spielen zudem oft eine wichtige Rolle als Lernorte für Naturerfahrung und Umweltbildung.
Quellen:
Michal Forejt, Ralf-Uwe Syrbe: The current status of orchard meadows in Central Europe: Multi-source area estimation in Saxony (Germany) and the Czech Republic. Moravian geographical reports, 2019.
Klaus Henle und Kollektiv: Streuobstbestände in Deutschland, Naturschutzfachliche Bedeutung, Bestandssituation und Handlungsempfehlungen. Bundesamt für Naturschutz, 2024.